5 Dinge ...

Unverhofft kommt oft, wie man so schön sagt, aber manchmal hätte man sich ja doch gerne für die Herausforderungen gewappnet, die dieser Beruf so mit sich bringt. Und nachdem sich ein paar befreundete Kolleginnen (siehe unten) bereits mit diesem Thema auseinandergesetzt haben, möchte ich es ihnen an dieser Stelle gleichtun.

1. Romane mit historischem Hintergrund zu schreiben, ist sehr, sehr zeitintensiv

Nun gut, ich hatte ja geahnt, dass ich viel recherchieren würde müssen, wenn ich reale historische Ereignisse mit in eine Handlung einbinden möchte – doch um das Ausmaß der Recherche hatte ich mir dann doch nicht so recht Gedanken gemacht.
Vor allem die alltäglichen Details sind dabei wichtig: Man kann einen Protagonisten beispielsweise nicht in einem beiläufigen Satz den Bürgersteig betreten lassen, wenn es zu der fraglichen Zeit noch gar keine Bürgersteige gegeben hat. Und wenn man sich das erst einmal bewusst gemacht hat, ertappt man sich ständig dabei, wie man die scheinbar nebensächlichsten Details recherchiert.

Karawane

Ab wann gab es in London eine moderne Wasserversorgung?
Wie lange wird ein Segelschiff Mitte des 17. Jahrhunderts für die Überfahrt von Europa in die Neue Welt (Amerika) gebraucht haben? Wie wurde Amerika damals überhaupt genannt? (Antwort: nämlich die Neue Welt).
Wie sah die Mode im Paris Ende des 17. Jahrhunderts aus?
Welchen Wildbestand gab es damals in den umliegenden Wäldern für Vampire, die sich von Tierblut ernähren?
Welchen Gewohnheiten hatte die feine Gesellschaft im England des 18. Jahrhunderts?
Welche Rituale hatten die zu jener Zeit populär werdenden Geheimorden?
Wie lange wird Anfang des 19. Jahrhunderts eine Zugreise von New York nach New Orleans gedauert haben?
Wie hießen die ersten Auto-Modelle, die auf Londons Straßen fuhren?
Konnte man für eine geplante Durchquerung der Syrischen Wüste bei einem Kamelhändler auch Maultiere erstehen oder musste man dafür einen anderen Händler aufsuchen?

Zugegeben, die letzte Frage ist schon sehr speziell, aber sie veranschaulicht sehr gut, wie sehr ich mich manchmal in der Recherche festbeiße. Denn es könnte ja immer mal sein, dass jemand meine Bücher liest, der sich zufälligerweise mit dem betreffenden Thema sehr gut auskennt. Auf jene letzte Frage hatte ich leider auch keine zufriedenstellende Antwort gefunden und hoffe daher, dass die versierten Wüstendurchquerer und Kamelkäufer nachsichtig mit mir sein werden.

2. Man lebt ungesund

KekseWenn ich schreibe, plotte oder recherchiere, sitze ich oft stunden- und tagelang nur am PC, fühle mich dann wie getrieben und will unbedingt vorankommen. Ab und zu werfe ich einen sehnsüchtigen Seitenblick aus dem Fenster, stelle fest, dass die Sonne scheint, und gehe dennoch nicht hinaus. Die Bewegung kommt bei mir eindeutig zu kurz.

Auch das Essen wird von mir oft vernachlässigt. Wenn ich mitten im Fluss bin, kann ich doch nicht einfach unterbrechen und mir etwas zu essen machen! Glücklicherweise kocht mein Mann oft und gerne und ruft mich dann zwischendurch zu einer Zwangspause an den Mittagstisch. Doch wenn er auf Reisen ist (was bei ihm berufsbedingt sehr häufig vorkommt), spielt das Essen bei mir nur eine sehr untergeordnete Rolle.
Etwaige Heißhungerattacken werden mit  Hilfe einer Notration Schokocookies überbrückt, die in einer stets gefüllten Dose neben meinem Schreibtisch stehen.
Wenn die Dose einmal leer ist, habe ich wirklich ein Problem.

3. Keine Idee ist einmalig

NotizenAn Ideen, auch für kommende Buchprojekte, mangelt es mir eigentlich nie. Ein Gespräch zwischen Fremden auf der Straße, ein Song oder ein Bericht in der Zeitung, überall begegnen mir Impulse für neue Geschichten. Manchmal bin ich ganz begeistert von meinem Einfall, kritzele ihn hastig in das nächstbeste Notizbuch und freue mich dann schon darauf, das Projekt in Angriff zu nehmen.
Bis ich dann feststellen muss, dass bereits ein anderer dies getan hat.

Seit ich mit immer mehr buchaffinen Menschen vernetzt bin, wird mir immer häufiger bewusst, dass es so unfassbar viele kreative Menschen da draußen gibt. Und so viele von ihnen können schreiben, sogar richtig gut und sie tun es darum auch.
Bei so vielen talentierten Autoren kann es dann tatsächlich vorkommen, dass mehrere unabhängig voneinander auf dieselbe Idee kommen.

Darum werden einige meiner Einträge sicherlich für immer im Notizbuch verweilen. Aber das macht nichts, es bleiben genug Ideen übrig, die dann in die Welt hinaus gelassen werden können.

4. Man bekommt eine gespaltene Persönlichkeit

StauIn allen möglichen Alltagssituationen beginnt man plötzlich darüber nachzudenken, wie die verschiedenen Protagonisten des aktuellen Projekts damit umgehen würden.

Ein befreundetes Ehepaar streitet sich sehr öffentlich, was ihr ganzes Umfeld befremdet – und mir geht durch den Sinn, dass Giles und Gemma in solch einer Situation in typisch britischer Zurückhaltung einen Konflikt gegebenenfalls auch schonmal jahrelang totschweigen würden.

Wir stehen stundenlang in einem Stau – und ich wünschte, Fergus, der Gestaltwandler, zu sein, der als Gerfalke das ganze Verkehrschaos einfach überfliegen könnte.

Im Fernsehen läuft eine Dokumentation über moderne Kunst – und ich weiß, dass die Protagonistin meines nächsten Projektes sicherlich eine klare Meinung dazu hätte. Selbstverständlich habe auch ich dieselbe Meinung. Tatsächlich? Oder bin ich durch sie beeinflusst?

5. Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen, kann einen in ein stetes Wechselbad der Gefühle stürzen

EmotionenEben noch findet man toll, was man zu Papier gebracht hat, dann erhält man ein kritisches Feedback und ist am Boden zerstört.

Dann wieder meint man, ein verfasster Text sei nur Schrott und könnte niemanden interessieren. Doch ein paar Leser reagieren ganz begeistert auf den Text und man ist völlig überrascht und überglücklich.

Daraufhin fängt man wiederum an zu zweifeln, ob man als Autor überhaupt etwas taugen kann, wenn man gar nicht imstande ist, die Qualität der eigenen Ergüsse korrekt zu beurteilen.

Dann erzählen einem Kollegen – sogar richtig erfolgreiche – dass es ihnen oft ganz genau so geht und man fasst wieder etwas Zuversicht.

Dann schreibt man weiter.
Und irgendwie erscheint einem alles Geschriebene belanglos, denn wenn die Leser das vorherige mochten, ist dies hier sicherlich nicht gut genug.

Und die Zweifel beginnen von vorne ...

Doch bei allen Zweifeln und gemischten Gefühlen: Ich möchte das Autorendasein nicht missen! Andere Menschen mit meinen Geschichten unterhalten zu können, ist für mich die größte Erfüllung, die ich mir vorstellen kann.

Ein paar befreundete Autorinnen haben ebenfalls niedergeschrieben, welche 5 Dinge sie gerne früher gewusst hätten. Hier könnt Ihr nachlesen, was sie dazu geäußert haben:

Mella Dumont: http://melladumont.de/5-dinge-die-man-als-autorin-gerne-vorher-gewusst-haette/
Elke Aybar: http://www.elke-aybar.com/5-dinge-die-man-als-autorin-gern…/
Kay Noa: http://kay-noa.blogspot.de/2015/10/abgrunde-des-autorendaseins-link.html
Melissa David: http://mel-david.de/2015/10/5-dinge-die-man-als-autorin-gerne-vorher-gewusst-hatte/
Anja Bagus: http://www.anja-bagus.de/5dinge/

Kommentare   

Melissa David
# Melissa David 2015-11-01 17:54
Hallo Hope,

ein wirklich sehr schöner Artikel. Und wenn ich das so lese, bin ich doch froh, nicht so eng historisch zu schreiben. Es gibt auch so noch genug Recherche.
Die restlichen Punkte kann ich so wie sie sind unterschreiben.

Liebe Grüße,
Melissa
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Hope
# Hope 2015-11-02 10:00
Lieben Dank! :-)
Die Recherche macht allerdings auch viel Spass. Das Gefährliche dabei ist nur, dass man dabei oft auch auf Informationen stößt, die wiederum zu neuen Geschichten inspirieren. ;-)

Liebe Grüße,
Hope
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